Reizdarm

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Reizdarm

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Reizdarmsyndrom, was ist das?

Beim Reizdarmsyndrom – oft einfach Reizdarm genannt – handelt es sich um eine Funktionsstörung des Darms. Das bedeutet: Die Funktion des Darms ist beeinträchtigt, ohne dass organische Ursachen dafür feststellbar sind. Deshalb dauert es oft lange, bis die Diagnose „Reizdarm“ gestellt wird.

Die Ursachen und Symptome von Reizdarm Beschwerden sind äußerst vielfältig und individuell sehr unterschiedlich.

Je nachdem welche Beschwerden überwiegen, können verschiedene Typen von Reizdarm unterschieden werden:

  • Durchfalltyp: vorwiegend weicher bis flüssiger Stuhl, mehrmals täglich Durchfall (min. 3x)
  • Verstopfungstyp: harter Stuhl, nur sehr selten Stuhlgang (max. 3x pro Woche)
  • Reizdarm mit gemischtem Stuhlverhalten: Durchfall und Verstopfung praktisch gleichzeitig, z.B. beide Symptome am selben Tag
  • Reizdarmsyndrom ohne Subtyp: Reizdarm lässt sich aufgrund des Stuhlverhaltens nicht einordnen

Manche Ärzte sprechen auch vom Schmerztyp und vom Blähungstyp. Bei allen Typen von Reizdarm können verschiedene Symptome gleichzeitig auftreten.

Reizdarm ist weder gefährlich noch mit einem erhöhten Risiko für andere Darmerkrankungen verbunden. Dennoch stellt das Reizdarmsyndrom für betroffene Patienten im Alltag eine große Belastung dar und reduziert die Lebensqualität.

Welche Ursachen führen zu Reizdarm?

Das Reizdarmsyndrom tritt selten plötzlich auf. Die genauen Ursachen von Reizdarm sind sehr komplex, individuell unterschiedlich und wissenschaftlich weitgehend unverstanden.

Immer wieder wurden Stress und psychosomatische Faktoren als Auslöser vermutet. Neuere Forschungsergebnisse zeigen, dass eine Vielzahl unterschiedlicher Faktoren und Störungen zum Beschwerdebild Reizdarm beitragen. Dazu zählen:

  • Lokale Überempfindlichkeit im Darm
  • Störung der Darm-Bewegung
  • Störung des Nervensystems
  • Störungen der Schleimhaut-Barriere (erhöhte Durchlässigkeit)
  • Veränderte Darmflora (zu wenig Bifidobakterien)
  • Immun- und Entzündungsreaktionen
  • Psychosozialer Stress
  • Genetische Prädisposition

Darüber hinaus beeinflussen die individuelle Ernährung, Nahrungsergänzungsmittel, Medikamente, Infektionen, Stress und individuelle Belastungssituationen die Darmgesundheit.

Wie erfolgt die Diagnose Reizdarm?

Da auf den Befunden ein direkter Nachweis fehlt, ist die Diagnose Reizdarm eine Ausschlussdiagnose. Das heißt, es müssen andere organische Ursachen für die Reizdarm Beschwerden ausgeschlossen werden. Der Arzt wird im Anamnesegespräch nach dem Muster und Ausmaß der Reizdarm Symptome fragen. Sogenannte „Alarmsymptome“ deuten auf eine andere Erkrankung hin und sollten vor einer Reizdarm Diagnose ausgeschlossen werden; dazu zählen Fieber, plötzlicher Gewichtsverlust, Blutarmut, Blut im Stuhl, nächtliches Erwachen aufgrund von Beschwerden, anhaltende schwere Diarrhoe und der Symptombeginn über 50 Jahre.

Neben der körperlichen Untersuchung mit Labordiagnostik, zählen zur Basisdiagnostik bei Verdacht auf Reizdarmsyndrom auch die Ultraschall-Untersuchung des Oberbauchs, die Darmspiegelung (Ausschluss von Entzündungen oder Tumoren), die Magenspiegelung (Ausschluss von Magen- oder Zwölffingerdarmgeschwür, Gluten-Unverträglichkeit oder Speiseröhrenerkrankungen) und Atemtests (Ausschluss von Nahrungsmittelunverträglichkeiten und bakterieller Fehlbesiedelung).

Wie kann eine Behandlung bei Reizdarmsyndrom aussehen?

Gegen das Reizdarmsyndrom gibt es weder eine Standard-Therapie noch eine ursächliche Behandlung. Es konnte jedoch gezeigt werden, dass gezielte Verhaltensänderungen und Therapiemaßnahmen jenen Patienten helfen, die wissen, wodurch ihre Reizdarm Beschwerden ausgelöst werden. Jeder Patient sollte individuell entsprechend seinem Beschwerdebild behandelt werden. Mittlerweile gibt es verschiedene Ansätze der Behandlung, um Reizdarm Symptome zu lindern:

  • Allgemeine Maßnahmen (z.B. Ernährungsumstellung, Stressreduktion, gesunde Lebensweise)
  • Medikamente (zur Linderung der Hauptbeschwerden)
  • Psychosomatische Maßnahmen (Stressreduktion, Hypnotherapie, Facharzt, Psychotherapie)

Folgende Mittel können dabei helfen die Symptome bei Reizdarm zu lindern:

  • Zahlreiche Hausmittel
  • Bei Verstopfung helfen stuhlerweichende Mittel
  • Bei Durchfall helfen Elektrolyte, „stopfende“ bzw. die Darmbewegung hemmende Medikamente
  • Bei Blähungen gibt es so genannte „Entschäumer“, damit die Blähungen leichter abgehen
  • Bei Schmerzen und Krämpfen werden krampflösende Mittel verabreicht
  • Eine gestörte Darmmotorik kann durch Medikamente beeinflusst werden (Prokinetika)
  • Die Darmflora kann mit Probiotika (z.B. Lacto-/Bifidobakterien) und Präbiotika (z.B. Xylooligosaccharide) verbessert werden
  • Mittel zum Schutz der Darmschleimhaut (z.B. Xyloglucan)

Generell ist beim Reizdarmsyndrom eine Behandlung der gestörten Darmflora sowie der geschädigten Darmbarriere besonders wichtig. Hier helfen Probiotika, sowie spezielle Präparate, die die Darmschleimhaut schützen, den Entzündungskreislauf unterbrechen und die Darmbarriere stärken. Präbiotika, die als Nahrung für Bifido- / Lactobazillen dienen und deren Wachstum stimulieren, leisten ebenfalls einen wichtigen Beitrag zur Gesundheit der Darmschleimhaut.

Tipps zur Selbsthilfe bei Reizdarm

Eine gesunde Lebensweise, regelmäßige Entspannung, sowie eine Änderung der Ernährungsgewohnheiten können helfen die Symptome des Reizdarmsyndroms zu lindern.

  • Stressreduktion (Yoga, Meditation, progressive Muskelentspannung, autogenes Training)
  • Gesunde Ernährung (ausreichend Flüssigkeit, ausgewogene Mahlzeiten, Ruhe beim Essen)
  • Verzicht auf sehr heiße oder kalte Speisen und Getränke
  • Verzicht auf Kohlgemüse, Bohnen, rohe Zwiebel, Knoblauch, Hülsenfrüchte und Getränke mit Kohlensäure bei Blähungen
  • Verzicht auf zu große Portionen beim Essen
  • Verzicht auf üppiges Essen und Rohkost am Abend
  • „Gut gekaut ist halb verdaut“ – gründlich kauen bei Reizdarm!
  • Trinken Sie mindestens 1.5 Liter pro Tag (stilles Wasser, ungesüßte Kräutertees)
  • Vorsicht mit rohem Obst und Gemüse
  • Achten Sie auf individuelle Unverträglichkeiten (evtl. ein Essens-Tagebuch führen)
  • Verzicht auf Alkohol, Kaffee, Rauchen
  • Verzicht auf Süßigkeiten, Weißmehlprodukte, fette Nahrungsmittel, kohlensäurehaltige Getränke und Fertigprodukte
  • ballaststoffreiche Lebensmittel wie Vollkornprodukte, Wurzelgemüse oder Nüsse fördern eine gesunde Verdauung

Quellen:
(abgerufen: 25.01.2019)
https://www.netdoktor.at/therapie/reizdarm-behandlung-4222863
https://www.endoskopie-drscharf.at/gastroenterologie-wien/reizdarm/
https://www.apotheken-umschau.de/Reizdarm
https://www.gesundheit.de/krankheiten/magen-darm/reizdarm
https://www.zentrum-der-gesundheit.de/reizdarm.html#toc-was-versteht-man-unter-einem-reizdarm
https://www.onmeda.de/krankheiten/reizdarm.html
https://docplayer.org/17363426-Leitlinien-therapie-des-reizdarm-syndroms-rds-2011-stephan-hollerbach-celle.html

Hinweis:
Dieser Text dient zu Ihrer allgemeinen Information. Bitte stellen Sie keinesfalls selbst eine Diagnose, sondern suchen Sie, wenn Sie Fragen oder Beschwerden haben, einen Arzt auf. Nur er kann die Symptome aufgrund seiner klinischen Erfahrung richtig einschätzen und gegebenenfalls weitere diagnostische Schritte unternehmen.